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#BriefanmeinLeben – Blogaktion

Hallo ihr Lieben,

nun ist die Blogaktion #BriefanmeinLeben schon im vollen Gange. 12 verschiedenste „Brief an das Leben“ konnten wir schon lesen. Jeder wurde von dem Autor Helmut Treubel auf verschiedenste Weise inspiriert und teilweise auch irritiert.bannerWas hat mich eigentlich dazu bewogen an dieser Blogaktion teilzunehmen? Der Titel LiebesLeben oder kommt drauf an wie man es ausspricht Liebes Leben machten mich neugierig.
Auch die Fragen, welche der Autor stellte,

  • „Kann ich lieben?“, „Bin ich liebenswert“
  • Und wie gehen wir mit dem Wunsch, geliebt zu werden, um?

sprachen mich sofort an, da ich diese Fragen mir in meinem Leben schon oft gestellt hatte. Ihr euch auch?

Ich muss ehrlich sagen, das Buch ist nicht leicht zu lesen, ich musste manche Sätze paar Mal lesen, da manche sehr lang sind. Und ganz durch gelesen habe ich es auch nicht, aber die Gedichte zwischendurch erinnern mich an einen lieben Nachbarn aus meiner Kindheit.

Und das ist der perfekte Übergang, um euch mein Brief an mein Leben vorzustellen:

Liebes Leben,

vor gut nun 40 Jahren erblickten wir in der DDR das Licht der Welt. Ich hatte zwei ältere Brüder – das änderte sich später. Wir gingen mit 8 Wochen zu einer Tagesmutter, dann in die Krippe, in den Kindergarten und später in die Schule mit Hort. Viele Geheimnisse mussten wir hüten, aufpassen, wem man was sagt. Und wir dachten es war normal, wie sollte es auch anders sein, es gab ja nichts anderes. Heute weiß ich, dass es großen Einfluss auf uns beide nahm.

Ich war eine Tochter – einerseits gewollt – andererseits geheim. Mit 10 Jahren erfuhren wir, dass wir einen anderen Erzeuger hatten, als wir dachten und plötzlich…?

Plötzlich war ich allein. Einer von uns war erwachsen und die andere war weiterhin die Tochter.

Schon damals begannen die Fragen. Nur ganz leise. Sie wurden uns beiden auch erklärt, aber was das alles in Wirklichkeit bedeutete, sollten wir erst mit ca. 34 Jahren erfahren. Bis dahin waren wir die Tochter, auf die eine Mutter stolz sein konnte und sich keine Sorgen machen brauchte, denn die hatte sie schon genug. Den netten Erzeuger lernten wir auch höflich kennen und verhielten uns auch stets nett und höflich – gute Erziehung ist halt das A und O.

Sein Leben war die Armee, seine zwei Söhne, deren Mutter und seine Freundin. Zusammen bekamen sie einen Sohn, welcher ein Jahr jünger ist, wie ich.

  • Nun versteht ihr, ich habe 5 Brüder und keiner weiß von dem anderen außer mir.

Mein Erzeuger wohnte in der Nähe und an seinem Schrebergarten gingen wir später ab und zu mit unserem Hund vorbei, nur um mal einen Blick zu erhaschen. Es gab nix zu erhaschen. Sie waren nie da.

Mit 15 Jahren überraschte uns die Wende. Und nix war mehr wie es mal war. In der Familie war viel mit Zukunftsangst geprägt. Die Jobs und Ausbildungen wurden nicht anerkannt oder mussten neu gesucht werden. Die Zeit danach fühlte sich kühl an. Mein Bruder, welcher bei der Republik Flucht geschnappt wurde, ging ohne sich zu verabschieden auf Reisen – wohin?, wie lange? – wir wussten nix.

Bei uns Stand die Frage, welche Schule soll jetzt besucht werden? Was ist Hauptschule, Realschule und Gymnasium? Hauptschule ist für die schlechten und die keinen Bock haben, Realschule für die Hauptschule zu schade, aber für das Gymnasium nicht gut genug, denn da gingen nur die Klugen hin. Na gut, dass das geklärt war. Wir absolvierten unseren Realschulabschluss, wir hatten 0 Ahnung was wir danach machen sollten. Bei der Berufsberatung, wurde von meiner Mutter erzählt, dass ich gut mit Menschen umgehen kann. Mehr Vorstellung außer Polizistin oder Erzieherin hatte ich nicht. Da ich für Polizistin zu sozial eingeschätzt wurde, blieb uns die Ausbildung zur Erzieherin. Und zum Glück erhielten wir auch einen Schulplatz. Nun gingen wir 5 Jahre zur Schule, machten unser Fachabitur und wurden schließlich staatlich anerkannte Erzieherin.

Erzieher ohne Job. Eine harte Zeit, denn damals war keine große Nachfrage nach Erziehern. Na gut ich muss mich bei dir wohl entschuldigen, ich hatte kein Selbstvertrauen und die Selbstzweifel wuchsen auch stetig. Ich konnte es nie einordnen, warum wir nicht wussten, wie toll wir gemeinsam wären und was wir hätten gemeinsam erreichen können. Aber wir hatten uns halt früh getrennt.

Nach zwei Jahren hatten wir als Erzieherin Glück und fanden einen Job. Wir gingen gerne arbeiten, hatten viel Spaß. Immer mal wieder trennten sich unsere Weg auf der Arbeit. Heute weiß ich, dass was wir in der Kindheit erfuhren/lernten und das was wir in der Arbeit lernten und lebten, widersprachen sich sehr. Es floppten Erinnerungen auf und ich konnte gar nichts damit anfangen und verdrängte sie wieder. 5 Jahre lief „alles gut“.

Im 7. Jahr sollte es sich wohl langsam ändern. Nachdem auf Arbeit nach und nach immer wieder Kolleginnen für längere Zeit weg brachen. Wir beide waren immer da. Wie sollte es auch anders sein. Ich war jung, war selten krank, hatte noch einen zweiten Job und mein Leben wurde immer schneller. Minutiös durchstrukturiert. Und das Gedankenkarussell ließ sich nicht mehr stoppen. Du bedanktest dich indem wir gemeinsam unaufhaltsam in den Burnout rauschten. Der rote Faden riss.

  • „Dann holte ich aus mir, was da so herumlag und aus mir treten wollte, darauf wartete, erweckt zu werden.“ (Helmut Treubel)

Gedanken, wer bin ich? und was liebst du an mir? – mit diesen Fragen setzte ich mich teilweise ungewollt auseinander, da ich es nicht steuern konnte und schrieb vieles auf. Somit ist die Erkenntnis –„…und aus mir treten wollte, darauf wartete, erweckt zu werden“ – für mich kein unbekanntes „Phänomen“.

Somit hatte ich, genauso wie ich das Buch von Helmut Treubel verstehe, mich mit verschiedenen Ansatzpunkten z. B. Esoterik, Urinstinkte und sonstige Bereichen intensive aus einander gesetzt, um das zu finden, was ich in anderen gesucht und bewundert habe.

img_0363-2Ich suchte meine andere Hälfte – die Mutige, die….

Und da begegneten wir uns wieder, so intensiv und machtvoll. Wir waren beide überfordert. Gefühle durchfuhren mich, aber was waren das für welche? Ich kannte sie nicht in diesem Ausmaß. War ich doch die Tochter, die liebe, nette, hilfsbereite. Die, die nicht Nein sagen konnte.

Und nun diese Wut, die Zerissenheit und der Zwiespalt zu den verschiedensten Themen, vor allem aber zu uns selbst.img_0361-2

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Und nun haben wir 5 harte Jahre durchlebt:

  • Berufsunfähigkeit in meinem Job;
  • Zu erkennen, dass der unerfüllte Kinderwunsch mich in eine Depression brachte;
  • Zu erkennen, dass der stetige Konkurrenzkampf zwischen den Kitas und schlussendlich in dem eigenen Haus….., mich zum Monster mutieren ließ;
  • Die Zusammenhänge der DDR Erziehung (Institutionen), die Geschichte meiner Mutter (BRD geboren) und die ganze Geheimhaltung,
  • Republikflucht – nicht drüber reden
  • Wutbrief an meinen Erzeuger
  • Erste Entschuldigung meiner Mutter
  • Tod meiner Mutter
  • Von „Familie“ im Stich gelassen

haben mich zu einem „Geist“ gemacht. Bloß nicht auffallen, nichts falsches sagen und deshalb lieber nix sagen und so weiter.

Was ich daraus mitgenommen habe? Durch das Durchbrechen der „Mauer“ lernte ich für einen Moment meine Gefühle durch malen auszudrücken. Ich fand dich wieder, an dem Punkt wo ich dich verlor. img_3392Nun versuche ich dich bei mir zu behalten, was natürlich nicht immer so einfach ist. 25 Jahre waren wir nicht bewußt miteinander unterwegs.

Welche Wege haben wir gemeinsam zu bestreiten? Du zeigst mir auf, was wir erreichen können.

  • Lernen auch NEIN zu sagen
  • 2 jährige Umschulung zwar geschafft, aber….
  • wir werden gemeinsam mit Freunden den Weg bestreiten

Ich wünsche mir für uns, dass auch paar leichtere Jahre kommen nach diesem Kampf.

DU und ICH gleich LIEBESLEBEN.

MORGEN ist der letzte Tag dieser außergewöhnlichen Blogaktion und IHR könnt euch auf Dominique Brozeit – Books are a passion freuen.

Denkt an das Gewinnspiel!

Beantwortet die Frage bis zum morgen einfach per Kommentar auf meinem Blog und beginnt mit den Worten:  „Ich liebe mein Leben, weil…“ und vielleicht kannst bald DU der/die glückliche GewinnerInsein.gewinn

 

Ich wünsche euch einen angenehmen Sonntag. Am besten ihr kuschelt euch schön ein und genießt einen schönen warmen Tee.

Nadine

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